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Die Entwicklung vom Urpferd mit einer Schulterhöhe von etwa 30 cm zum heutigen Pferd hat für dessen Halteapparat eine Reihe von Adaptionsproblemen aufgeworfen. Bei Betrachtung der Vordergliedmaßen erforderte die Verkümmerung der ursprünglich vierzehigen Extremität hin zu einer eingliedrigen Form besondere anatomische Anpassungen der Rarefizierung.
Vergesellschaftet
mit evolutionsbedingten Veränderungen sind nahezu immer auch degenerative
Tendenzen. Die gemessen an der Entwicklungsgeschichte erst sehr späten
(seit der Bronzezeit) deutlich veränderten Lebensbedingungen einer
Haustierhaltung haben zur Ausprägung spezifischer Krankheitsbilder beim
Pferd beigetragen, weil eben jene zwanghafte Tierhaltung den besonderen
Anforderungen des subtilen Extremitätenaufbaus nie ganz gerecht werden
kann. Eine
bedeutende Lahmheitsursache bei Spring- und Dressurpferden ebenso wie bei
Quarter Horses aber durchaus auch bei anderen Rassen stellt die
Hufrollennekrose (Podotrochlose) dar. Dabei kommt dem Strahlbein als
multifunktionellem Knochenorgan eine zentrale Rolle zu. Als Vermittler der
mechanischen Funktion der tiefen Beugesehne wird das Strahlbein in
unterschiedlicher Intensität Druck-, Zug- und Scherkräften ausgesetzt.
Die paarige Aufhängung mittels der Seitenbänder und das solitäre
Strahlbein-Hufbein-Band mit seinen vorrangig straffen kollagenen Fasern
erlauben dem Strahlbein nur eine sehr sparsame Restbeweglichkeit. Dies
ermöglicht dem Strahlbein wegen dieser relativen Stabilität gemeinsam
mit dem Hufbein die Gelenkpfanne für das Kronbein zu bilden. Aus dieser
Doppelfunktion resultiert jedoch eine besondere Labilität im Hinblick auf
Traumatisierung durch Verdrehbewegungen und dauerhafte Beanspruchung im
Stehen bei fehlender Wechsellast, da die straffe bindegewebige Verankerung
kaum Ausweichmöglichkeiten bietet. Bezeichnend
erscheint dabei der Umstand des Auftretens des Erkrankungsbildes.
Überwiegend sind Tiere zwischen vier und neun Jahren betroffen, ein
Alter, in dem die arterielle Gefäßversorgung des distalen
Strahlbeinanteiles nicht in allen Fällen bereits vollständig ausgeprägt
ist. Abhängig von der individuellen Beanspruchung, der Hufpflege und der
Untergrundwahl besteht somit lokal ein chronisches Defizit in der
Ernährungssituation des Strahlbeines. Dazu paßt das bilaterale Vorkommen
des Erkrankungsbildes in weit über 50 % der Fälle. Therapeutisch
konnte bisher lediglich eine Minderung des klinischen Erscheinungsbildes
durch symptombezogene Behandlungsansätze erzielt werden. Korrigierende
und medikamentöse Maßnahmen führen bei gleichzeitiger Ruhe oder
Trainingsausfall meist nur kurzfristig zu Besserung. Auch der häufig
durchgeführte Nervenschnitt (Neurektomie der Palmaräste der Nervi
digitales palmares) kann zahlreiche Komplikationen nach sich ziehen.
Langstreckige Nervenregenerate, Neuromentwicklung oder Sehnendegeneration
mit Ruptur werden nicht selten beobachtet. Außerdem hat die
Densensiblisierung durch das Kappen des versorgenden Nerven mangelnde
Kontrolle beim Auftreten mit entsprechender Unsicherheit, bzw.
Stolperneigung zur Folge. |
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